Gestaltung im Grenzbereich - Ein Loft der Extravaganz
Wer in der Marienburger Straße 10 im Bezirk Prenzlauer Berg durch Vorder- und erstes Hinterhaus schreitet, den erwartet
im zweiten Hinterhof ein sanierter Gewerbebau aus der vorigen Jahrjundertwende, in den ehemals industriell genutzten Räumlichkeiten
sind über vier Etagen Lofts entstanden.Ein Experiment gelang mit einem 120 Quadratmeter großen
Raum in der dritten Etage. Der Bauherr , Hanne Cronauer, erwarb das Objekt 1999.MIt dem Entwurf des Architekturbüros "
Grollmitz - Zappe - Architekten " wurde nicht nur der Innenbereich komplett saniert, sondern es wurden übliche Gestaltungsformen
und Wohnstandarts neu definiert.
Zunächst erscheint die Aussenhaut auch als Innenhaut. In der dritten Etage gibt das ursprüngliche durchgeklinkerte Mauerwerk
im Reichsformat nicht nur den äußeren Charakter des Gebäudes wieder, sondern präsentiert auch das Innere.
Um die Authentizität des Materials nicht zu verletzen, wurden keine Elektroleitungen ,Steckdosen
oder Schalter auf die geziegelten Wände installiert.Sie befinden sich allesamt im Boden, der - passend zum gewerblichen Charakter
des Lofts - aus gegossenen Estrichplatten besteht.Für ein behagliches Wohnen sind diese aber in jedem Fall beheizbar.
Bestimmende Bereiche wie Küche und Bad wurden innerhalb der gemauerten Kappendecken und Ziegelwände ohne Rigipswände oder zusätzliche Raumteiler frei im Loft
verteilt.Die Objekte, die für diesen Funktionsbereich in Zusammenarbeit mit Handwerksfirmen als ästhetisch und gebrauchstechnisch anspruchvolle Unikate entwickelt wurden, verlassen
gängige Gestaltungsmaßstäbe und stehen - Kunstwerken gleich - unverstellt im Raum.
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Die Küchenelemente - Edelstahlobjekte mit Arbeitsplatte aus Schiefer und einem weißen Keramikbecken - lassen sich nach Bedarf anordnen und gruppieren.Die Arbeitsplatte über dem Gasherd lässt
sich als Tischplatte öffnen und das mittlere Küchenelement als fahrbares Objekt komplett versetzen.Dieses Prinzip der Mobilität trifft auch auf andere
Möbel zu, von denen keines an die Wand geschoben wurde. Die Badewanne kann beispielsweise über die gesamte Fläche durch das Loft gerollt werden.Dem Benutzer
erschließen sich auf diese Kuriose Weise verschiedene Perspektiven einer Wohnsituation, die mit Blick nach außen ein berlintypisches Bild aus Hinterhöfen
und Brandmauern erfasst.
Eine Besonderheit in Gestalt und Anordnung stellt das WC dar.In der Mitte der Wohnung wurde es mit einem Handwaschbecken in einem oval abgerundeten,abschließbaren Raum platziert.In die geometrische
Grundform zweier Zylinder wurde die Dusche auf einer Stahlplatte integriert. Von den Handwerkern in Anspielung an mobile Toilettenhäuschen liebevoll "Dixi" getauft, dekoriert dieses Element den Wohnraum
mit seiner Außenhaut aus Ornamentedelstahlblech des Lofts und blauem Plexiglas wie ein Kunstobjekt.
Gleichzeitig gliedert der Rundbau die Gesamtfläche des Lofts und verleiht dem Raum bei Dunkelheit durch eine geschickte Lichtführung einen Hauch von Magie . Da das Plexiglas auf Wunsch
leicht entfernt werden kann, variiert die Gestalt des Objekts.
Im Zusammenspiel von Bauherr und Architekt ist in der Marienburger Straße 10 ein Lebensraum im Grenzbereich zwischen ästhetischer Neudefinition und funktionaler Ausstattung geschaffen worden.
Eine Form der "Urzelle" für einen Single der Großstadt wurde kreiert, die die Bedürfnisse nach individueller Lebensgestaltung im Wohnbereich nicht nur als modische Erscheinung wahrnimmt,
sondern mir aller Konsequenz umgesetzt hat.
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